50 Dinge zum Leben

Ende Oktober berichtete Marco Scheiwiller auf Radio SRF 3 über sein Selbstexperiment: Er lebte eine Woche lang mit nur 50 Gegenständen. Eine Herausforderung, besteht ein regulärer Haushalt doch aus durchschnittlich 10'000 Sachen (!). Sein Fazit ist zwiespältig: Einerseits führte die Erfahrung zu einer grösseren Klarheit in seinem Kopf. Andererseits ist so leben nicht wirklich lustig. Zu sehr sind wir den Luxus gewohnt, für jedes kleinste Bedürfnis ein entsprechendes Utensil zur Hand zu haben. Und das meist in mehreren Ausführungen – man denke an die Winter-, Sommer-, Thermo-, Jeans-, Latz-, Trainer-, Jogging-, Strumpf-, Unter-, Pyjama-, Regen- oder Badehose. Oder an die kleinen und grossen Wassergläser, die Weisswein-, Rotwein-, Schnaps-, Champagner-, Cocktail-, Bier- und Cognacgläser in unserem Küchenschrank. Oder in der Vitrine. Die einen für Gäste, die anderen "für so".

Es ist nichts daran auszusetzen, Dinge zu besitzen. Aber Hand aufs Herz: Brauchen wir all die guten Stücke wirklich? Was besitzen wir allein aus Statusgründen? Oder weil wir dachten, uns fehle noch etwas? Etwas, das wir vielleicht einmal gut brauchen könnten? Und irgendwann mauern wir uns so mit unserem Besitz zu, dass wir den Zugang zu uns selbst verlieren.

 

„Less is more“ ist ein Trend. Beschleunigt hat ihn der Amerikaner Dave Bruno: Er hat von November 2008 bis November 2009 "The 100 Thing Challenge" ins Leben gerufen und in dieser Zeit seine persönliche Habe auf hundert Gegenstände reduziert. In einem sehr lesenswerten Interview mit dem online-Magazin boingboing.net erläutert er, wie unsere Dinge unbemerkt die Kontrolle über unser Leben übernehmen, wenn wir nicht achtsam sind. Und worum es wirklich geht: "What I mean is that we really, truly, honestly cannot buy the stuff we all long for the most: contentment, purpose, love, meaning. Look, there are people who disagree with me on this. They'll say, 'Fine for you Dave. As for me, I love Ferraris, and a new one would give me all the purpose and contentment I need.' Pardon me but, bullshit. If we really think that things are going to satisfy our souls, then we're lying to ourselves."

 

Ich finde, es ist ein Versuch wert. Luft rein, Sachen raus! Es dürfen auch ruhig mehr als 50 übrig bleiben – wir wollen es ja nicht übertreiben...     

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