Gerümpel und Blutgerinnsel: nahe Verwandte

Der Begriff Gerümpel tönt abwertend. Gemeinhin stellt man sich darunter ein verstaubtes Durcheinander alter, kaputter Dinge vor. Dieses Bild wird unseren persönlichen Sachen jedoch kaum gerecht. In allen von ihnen steckt ein bisschen von uns. Wenn ich davon spreche, dass Aufräumen aus 80 Prozent „entrümpeln“ (und 20 Prozent „neu ordnen“) besteht, definiere ich Gerümpel denn auch umfassender. Für mich gehören dazu alle Dinge, die ...

1) ich nicht brauche oder nicht (mehr) liebe,

2) unordentlich oder schlecht organisiert sind,

3) in zu grosser Menge auf zu engem Raum untergebracht sind,

4) nicht zu Ende gebracht wurden (z.B. Kaputtes oder Unerledigtes).

 

So gesehen besitzen wir ausnahmslos alle Gerümpel. Dazu gehören auch schöne, teure Einzelstücke - sofern sie mir kein wahrhaft gutes Gefühl geben, wenn ich sie anschaue. Ebenso das Eintrittsticket an das Konzert meines Lieblingssängers vor zehn Jahren oder der Schal des Eishockeyclubs, den ich als Teenager in wochenlanger Arbeit selbst gestrickt habe. Beides hat mich einmal glücklich gemacht. Aber heute?

 

Weshalb fällt es uns dennoch so schwer, uns von diesen Dingen zu trennen? Indem uns die Gegenstände vermeintlich über Mangelerscheinungen und Ängste hinweg helfen. Wenn wir Sachen „für den Fall“ behalten, denn verbirgt sich dahinter mangelndes Vertrauen in die Zukunft. Die alte Eintrittskarte bestärkt meine Identität („Sieh, ich war da!“), das teure Geschenk mein Selbstwertgefühl („So viel habe ich Tante Emma bedeutet!“). Doch wie steht es um mein Selbstwertgefühl, wenn ich es von einem Gegenstand abhängig mache? Was hindert mich in Wahrheit, mich von besagtem Stück zu trennen? Wenn wir uns diese Zusammenhänge bewusst machen, haben wir den ersten Schritt zum Loslassen getan.

 

Entrümpeln heisst: Vergangenes und unsere Erwartungen an die Zukunft ziehen lassen, ins Hier und Jetzt kommen, mit sich ins Reine kommen. Es heisst, blockierte Energie wieder zum Fliessen zu bringen. Das englische Begriff für Gerümpel – „clutter“ – zeugt davon: Es stammt vom mittelenglischen „clotter“ ab, was soviel wie „gerinnen“ bedeutet. Wie das Blut an einer verstopften Stelle gerinnt, so stagniert an unaufgeräumten Stellen die Energie. Gerümpel zieht mehr Gerümpel an, es formen sich Klumpen – wer sie besitzt, kommt ins Stocken. Ist es da nicht wunderbar, dass wir unser eigener Klempner sind? Weg mit ungeliebten, ungebrauchten, unerledigten Dingen, und wir kommen wieder in Fluss. Ich wünsche Ihnen dazu viel Mut und Kraft! Und wenn Sie doch einen Hilfsklempner brauchen, wissen Sie ja, wo Sie mich finden.    

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Kommentare: 6
  • #1

    Gitte Naujoks (Sonntag, 19 April 2015 18:46)

    Das Bild vom Kemptner finde ich wunderbar! Ich werde mich aber Spenglerin nennen ;-)

  • #2

    Gitte Naujoks (Dienstag, 22 Dezember 2015 08:33)

    Mir hilft es, eine Sache wegzugeben, wenn ich mir vorstelle, dass ich sie nicht wegwerfe, sondern in die Freiheit entlasse. Wenn sie mich (nicht) mehr glücklich macht, kann sie das vielleicht bei jemand anderem, wer weiss?

  • #3

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  • #5

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