Einfach ist sexy

Einfach schreiben ist schwierig. Schreibe ich einfach, besteht mein Text aus kurzen und aussagekräftigen Hauptsätzen. In jedem Satz steckt eine Botschaft. Verben dürfen Verben sein. Ich versubstantiviere sie nicht, bis sie keine Luft mehr haben.

 

Haben Sie Lust auf eine Übung? Dieser Satz lechzt danach, überarbeitet zu werden: „Die Kommunikation muss sachlich und offen sowie zeitgerecht, das heisst womöglich den Entwicklungen vorausgehend, und verständlich, das heisst womöglich mündlich im Dialog und unter Beantwortung von sich stellenden Fragen, erfolgen.“    

... Haben Sie den Abschnitt neu formuliert? Wie ist es Ihnen dabei ergangen? Haben Sie auch eine Weile dafür gebraucht?

 

Ich habe für PR-Agenturen, grosse Unternehmen und kleine Non-Profit-Organisationen kommuniziert. Überall begegnete mir gut gemeintes Schachtelsatz-Substantiv-Kauderwelsch. Auch ich fand es lange professioneller, „für die Erstellung von Texten im gesundheitlichen Bereich verantwortlich“ zu sein, statt einfach über die Gesundheit zu schreiben. Sich so auszudrücken, ist nicht professionell. Es ist umständlich. Und es führt dazu, dass unsere Botschaften selten die Empfänger erreichen. Unserem Hirn gefallen einfache Strukturen. Sie sind leicht verdaubar. Schlichte Sätze sind alles andere als banal. Sie sind kreativ und wohltuend! Sie bringen Klarheit – der Leserin und dem Schreibenden. Ich bin, was ich sage. Ich bin, wie ich es sage. Meine Sprache spiegelt mein Inneres ebenso wie der Zustand meiner Wohnung. Beides ist Ausdruck meiner selbst, und wirkt wiederum auf mich und auf andere. 

 

Ich habe für eine Firma gearbeitet, die es für tabu erklärt hat, ihren Namen in Texten mit einem Bindestrich an andere Wörter zu koppeln. So wurde aus der Muster-Gruppe die Muster Gruppe. Aus der Muster-Kundin wurde die Muster Kundin. Die Begründung? Die korrekte Schreibweise sei nicht sexy. Der Name müsse allein stehen, sonst „zahlt das nicht auf die Marke ein“. Ich habe einen anderen Vorschlag: Schreibt einfach statt falsch. Ich weiss, das ist nicht einfach. Dafür kommt es bei der Zielgruppe gut an – und ist sowas von sexy!

 

PS: Wir kommunizieren sachlich und so früh, dass alle Beteiligten rechtzeitig über neue Entwicklungen informiert sind. Wir reden miteinander und beantworten Fragen offen.

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