Im mobilen Bootcamp

Daran hatte ich vor unseren zweimonatigen Ferien gar nicht gedacht. Eher daran, möglichst alles einzupacken (am Ende vergassen wir doch eine Kleinigkeit, unsere Pässe). Oder daran, dass es emotional anspruchsvoll werden würde, zu viert acht Wochen in einem Wohnmobil zu verbringen. Dass unser Urlaub auch zum Bootcamp für mich als Aufräumcoach werden könnte, ging mir nicht durch den Kopf.

Ferien im Wohnmobil und ein Bootcamp haben gemeinsam, dass du unter extremen Bedingungen trainierst. Und bei beiden kannst du im Dreck versinken, wenn du dich nicht ranhältst. Die Übung hiess in meinem Fall: Schaffe es, 6 mit 4 Personen bewohnte Quadratmeter 60 Tage lang wohnlich zu halten. Bald war klar: Ich würde die Aufgabe nur dann bestehen, wenn ich mich mehr denn je an die drei Grundregeln des Aufräumens hielt. Sie lauten ganz einfach:

 

1. Weise jedem Gegenstand einen ihm eigenen Platz zu. Wenn es die Umstände erfordern – etwa nach einem Lebensmitteleinkauf, der die Kapazitätsgrenzen des Wohnmobils sprengt – können (sollen!) einmal zugewiesene Orte neu definiert werden.

 

2. Bilde Aktivitätscluster, oder anders gesagt: Gleiches gehört zu Gleichem. Die Kochgeräte, die Medikamente, der Papierkram, die Angelutensilien usw. Dadurch erübrigt sich langes Studieren, wo denn nun die Mückensalbe oder die Wäscheleine schon wieder verstaut wurde.

 

3. Verräume einen Gegenstand immer wieder an seinen Platz, nachdem du ihn gebraucht hast. Überwinde dafür regelmässig deinen inneren Schweinehund, wenn du nicht selbst zu einem werden willst. In unserem Fall wurde die Antwort "Da, wo es hin gehört!" auf die Frage "Wo ist denn XY?" bald zum geflügelten Wort.

 

Die Regeln im Wohnmobil-Bootcamp lassen sich eins zu eins auf die normale Situation zuhause übertragen. Checken Sie Ihre Gewohnheiten doch mal ab: Haben alle Ihre Sachen einen eigenen Platz? Sind gleiche Dinge an einem Ort beieinander? Verräumen Sie alles wieder dorthin, wo es hingehört? Und fragen Sie sich ab und zu, ob die bestehende Ordnung noch Sinn macht? Vielleicht stellen Sie sich wieder einmal in die Mitte Ihrer Küche, öffnen alle Schränke und betrachten Ihre Küchensachen mit neuen Augen. Was können Sie anders einräumen, um Ihnen die Arbeit zu erleichtern? Was können Sie ganz entbehren? 

Wenn Sie die drei Grundregeln anwenden, haben Sie jedenfalls gewonnen – im mobilen und im fest verankerten Zuhause.


PS: Ich gebe zu: Der Vergleich mit einem Bootcamp hinkt. Unsere Ferien waren ausgesprochen entspannt. Das lag auch daran, dass wir einen Bruchteil der üblichen Haushaltssachen mit dabei hatten und meine Zeit auch nur zu einem Bruchteil davon beansprucht wurde. Dass weniger (Dinge) tatsächlich mehr (Zeit) ist, ist meine zweite beschwingende Erkenntnis aus diesem Urlaub.

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