Sein Leben in die eigenen Hände nehmen

Leben Ihre Eltern noch? Wenn nein: In welchem Zustand haben sie Ihnen ihren Besitz hinterlassen?

Mein letzter Auftrag hat mir deutlich vor Augen geführt, welch grossen Gefallen Eltern ihren Kindern tun können, wenn sie rechtzeitig die Verantwortung für ihre Habseligkeiten übernehmen und diese zu Lebzeiten selbst ordnen. Im Falle meines Kunden war dem nicht so. 

Als wir beim Vorgespräch durch das Haus seiner verstorbenen Eltern liefen, konnte ich den Druck förmlich spüren, der da auf seinen Schultern lastete. Besonders die Menge an Schriftstücken – in vier Zimmern teils in Ordnern, teils lose auf zig Stapel und in Papiertüten verteilt – stellte eine besondere Herausforderung dar. Ich verstehe sehr gut, dass er lange gebraucht hatte, um sich überhaupt an die Aufgabe zu wagen und all die Dinge in diesem Haus auszusortieren.

 

An den beiden Tagen, an denen ich ihn unterstützte, haben wir mehrmals über Eigenverantwortung gesprochen. Was heisst es, eigenverantwortlich zu leben? Am einen Ende der Skala steht die These, dass wir alles selbst steuern. Was uns „passiert“, hängt mit uns selbst zusammen. Es ist unsere Entscheidung – die wir manchmal treffen, noch bevor wir auf diese Welt kommen. Unsere Seele wächst an den Aufgaben, die sie auf dieser Welt bewältigt.

Am anderen Ende steht die Meinung, dass alles im Leben nur Zufall ist. Dass unser Schicksal, unsere Herkunft oder einfach unsere Lebenspartner dafür verantwortlich sind, wie es uns geht. Dass wir halt einfach Glück oder Pech haben. An diesem Ende der Skala gehen wir mit vielerlei Erwartungen an die anderen durchs Leben. Werden diese erfüllt, geht es uns gut. Wenn nicht, sind wir unglücklich.

 

Wo reihen Sie sich ein? Nun, auch das steht in Ihrer ureigenen Verantwortung.

 

Mein Kunde hat alles in seinem vormaligen Elternhaus aussortiert. Er hat sich der Aufgabe mutig gestellt und ist an ihr gewachsen. Die Auseinandersetzung mit den Dingen und der Vergangenheit hat ihm gezeigt, wo er selbst heute steht. Was „seins“ ist und was nicht mehr. Indem er Dinge losgelassen hat, hat er auch unangenehme Geschichten hinter sich gelassen. Er wird sich über die Feiertage leicht und befreit fühlen.

 

Es mag also sein, dass Ihre Kinder etwas dabei lernen, wenn sie dereinst Ihren Besitz aussortieren. Es kann aber auch sein, dass Sie selbst von dieser Erfahrung profitieren und diese nicht auf Ihr nächstes Leben verschieben wollen. Es ist ganz einfach: Nehmen Sie die Dinge selbst in die Hand. Im übertragenen und im wortwörtlichen Sinn.     

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