Zeit statt Zeug

Dieser Beitrag mag zwei Monate zu spät kommen. Doch manchmal braucht es ein bestimmtes Ereignis, damit aus einem Gedanken eine Erkenntnis reifen kann. In meinem Fall hiess das Ereignis Weihnachten. Und die Erkenntnis: Es ist wichtig, dass unsere Kinder den Wert eines Geschenkes schätzen lernen. Das geht nicht, wenn sie in einer Flut davon untergehen.     

Dieser Gedanke ging mir erstmals im Herbst durch den Kopf. Als erste Massnahme baten wir alle Grosseltern und Paten, sie möchten unseren Kindern bitte nur ein Geschenk machen. Das ergab jedoch immer noch rund sechs Pakete pro Kind. Mir graute, wenn ich an den Anblick des ohnehin schon überfüllten Kinderzimmers nach Weihnachten dachte. Massnahme Nummer zwei lautete also: Wenigstens Platz für die neuen Sachen schaffen! Ich stellte eine leere Schachtel ins Zimmer und lud Ben und Mia dazu ein, sie mit nicht mehr benötigtem Spielzeug zu füllen. Die Ausbeute war bescheiden: Am Ende lagen darin ein ausrangiertes Puppen-Töpfchen, vier Bücher und ein paar Playmobil-Männchen, die mein Mann erbost wieder zu den anderen Playmobil-Sachen zurück packte („Was? Die kann man doch noch brauchen!“).

 

Der heilige Abend kam, und mit ihm die Geschenke. Es waren ein bisschen weniger als im Jahr zuvor. Einige davon erfüllten lang gehegte Wünsche, andere sind durchaus nützlich – etwa die neue Skijacke für unseren Sohn oder das neue Fahrrad für unsere Tochter. Die strahlenden Kinderaugen machten auch mich glücklich. Am Ende blieb da nur eine schwache Stimme in meinem Hinterkopf. Sie sagte: „Für diesmal war es ganz in Ordnung so. Nächstes Jahr hast du vielleicht noch eine bessere Idee.“

 

Diese bessere Idee kam noch vor Jahresende zu mir. Eine gute Freundin machte mich auf eine Website aufmerksam, auf der man zig Ideen dafür findet, wie man anstelle von Dingen gemeinsame Zeit verschenken kann. „Blumen pflanzen statt Blumenstrauss“, steht da etwa, oder „Waldluft statt Parfum“. Weshalb bin ich nicht selbst darauf gekommen? Etwas Wertvolleres kann ich meinen Kindern nicht schenken! Ausserdem bin ich seit langem davon überzeugt, dass für uns alle Zeit der neue Luxus ist. Genau so werde ich es an den nächsten Weihnachten machen. Und nun gestatten Sie, dass ich diesen Blog hier beende. Ich gehe jetzt mit meinen Kindern raus, zum Spielen.

 

Übrigens: Weiter unten steht da als Geschenkidee auch „Schrank ausmisten statt Shopping“. Das gebe ich Ihnen einfach mal als Anregung mit auf den Weg... Wir sehen uns 2016 wieder! Ich wünsche Ihnen an dieser Stelle eine wundervolles neues Jahr. Eins, in dem Ihre Wünsche in Erfüllung gehen – die echten, nicht die materiellen.

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