Ein Kinderspiel!

Zu Beginn meiner Arbeit als Aufräumcoach plante ich ein Angebot, das ich „Aufräumen für junge Menschen und ihre Eltern - ein Kinderspiel“ nannte. Als Mutter zweier kleiner Kinder war ich mir sicher: Das wird eine gefragte Dienstleistung! Bloss: Ich hatte keine Ahnung, wie ich dies angehen sollte. 

Denn schon bei unseren beiden Kindern gingen die Eigenheiten diesbezüglich weit auseinander: Während Mia (meistens) freudig mit anpackt und die Klötzchen in die richtige Kiste legt, kann Ben (meistens) keine Legofigur anfassen, ohne sofort gedankenverloren damit zu spielen. Da nützen das lustigste Aufräumlied und die farbigsten, mit Bildli gekennzeichneten IKEA-Kisten nichts.

 

Mittlerweile bin ich von der Idee abgekommen, systematisches Aufräumen für Kinder anbieten zu wollen - jedenfalls vorläufig. Aus zwei einfachen Gründen:

  1. Kinder sind so unterschiedlich wie Haferflocken im Birchermüesli. Es gibt meines Erachtens keine Aufräummethode, die bei jedem Kind funktioniert. Ausser der Bestechung mit Schokolade vielleicht, aber das wäre pädagogisch wenig wertvoll.
  2. Eltern sind so unterschiedlich wie Müeslisorten. Ich werde schon kribbelig, wenn ein ganzer Tag Chaos im Kinderzimmer herrscht. Andere Eltern können dem Treiben eine Woche oder länger seelenruhig zusehen (ich beneide sie darum). Für den Aufräumrhythmus gibt es folglich ebenfalls keine Pauschallösung. 

Dazu kommt, dass sich Kinder in den ersten Lebensjahren und in der Pubertät ihre eigenen Strukturen schaffen und eigene Entscheidungen treffen wollen. In ihnen geht so viel ab, dass es in ihrem Umfeld bisweilen chaotisch aussehen MUSS. Wenn Kinder nicht aufräumen, ist das nicht unbedingt eine Kriegserklärung an ihre Eltern, sondern schlicht ein Abbild ihres Innenlebens. Dies zu verstehen, kann hilfreich sein.

 

Meine einzige Empfehlung lässt sich in einem Punkt zusammenfassen: Leben Sie Ihren Kindern vor, was Ordnung ist. Sie dürfen sogar vom konsequenten „Du hast das Chaos geschaffen, du räumst es selber auf“ abrücken und selber mal eine Kindersocke in die Hand nehmen. Und dann vertrauen Sie einfach darauf, dass Ihre Kinder Ihre Gepflogenheiten zu gegebener Zeit übernehmen. Das werden sie nämlich – sofern sie nicht explizit gegen Sie rebellieren wollen. Aber das ist dann ein anderes Thema.

 

Und ja - aufräumen vorleben heisst auch, in festgelegten Zeitabständen gemeinsam mit den Kindern Ordnung zu schaffen. In unserem Fall geschieht das wie erwähnt täglich vor dem Schlafengehen. Zum einen, weil ich fest davon überzeugt bin, dass es sich in einem aufgeräumten Kinderzimmer besser schlafen lässt. Und zweitens, weil meine Nerven es sonst nicht mitmachen würden. Und das ist durchaus auch ein gutes Argument.    

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Coni (Dienstag, 26 Januar 2016 10:16)

    ... auch wenn ich nicht mitreden kann (da kinderlos): Es tönt absolut logisch! Und ich habe für deine Gedankenwelt grosses Verständnis. Daher braucht es für ein aufgeräumtes Kinderzimmer zum Schlafengehen auch kein Argument ;-). Weiter so!