Lasst Kinder wollen!

Ben und Mia sagen oft „Mami, ich will ein Bonbon haben!“. Oder Schokolade. Oder einen Playmobil-Wikinger. Oder einfach ein Glas Wasser.

 

Haben Sie diesen Satz auch schon gehört? Wenn ja, was sagen Sie dann?  

Bis vor drei Tagen reagierte ich auf diese Äusserung unserer Kinder so: „Sag nicht ‚ich will’. Sag stattdessen: ‚Ich möchte bitte ein Bonbon haben’.“ ICH WILL, das geht doch nicht! Das ist unhöflich! Ich bin wohl erzogen und habe dies in meiner eigenen Kindheit gefühlte zehntausend Mal gehört. Und so habe ich auch meinen Spross auf Teufel komm raus belehrt, statt „ich will“ „ich möchte bitte“ zu sagen.

 

Heute – drei Tage später – weiss ich: Damit erweise ich meinen Kindern einen ausgesprochenen Bärendienst. Denn so werden sie mit der Zeit verlernen, etwas zu wollen! Zehn Jahre später fragen wir sie dann „Und, was willst du werden?“ und sind erstaunt darüber, wenn ihnen dazu die Ideen fehlen. Was sollen sie denn wollen, wenn sie nicht wollen dürfen?

 

„Möchte(n)“ ist der Konjunktiv II des Verbs „mögen“. Einen Konjunktiv II verwenden wir, wenn wir uns etwas vorstellen oder wünschen, das zurzeit nicht möglich ist. Wenn Sie mir sagen, dass Sie abnehmen möchten, dann garantiere ich Ihnen, dass Sie Ihre Kilos behalten werden. Weshalb? Weil Ihre Ausdrucksweise verrät, dass Sie selbst nicht daran glauben. „Ich möchte“ ist nicht höflich, sondern schwach.

 

Wenn Ihre Kinder also das nächste Mal sagen „Ich will ein Bonbon haben“, dann entgegnen Sie zunächst einmal: „Das ist schön! Du weißt, was du willst.“ Das macht Ihre Kinder stark – und Sie gleich mit. Nein oder ja zum Bonbon sagen können Sie danach immer noch.

 

PS: Zwischen heute und vorvorgestern liegt ein dreitägiges Seminar bei LINGVA ETERNA, dem Institut für bewusste Sprache von Mechthild von Scheurl-Defersdorf und Dr. Theodor von Stockert in Nürnberg. Wollen Sie herausfinden, wie Sie sprechen und welche Wirkung Ihre Worte auf andere und Sie selbst haben? Dann gönnen Sie sich einen Besuch bei den beiden. Und machen Sie sich auf etwas gefasst: Die Erfahrung kann lebensverändernd sein.

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