Aufschieberitis

Jetzt sind es immerhin nur noch fünf Punkte. Vor einer Woche waren es noch zwölf. Allerdings sind inzwischen wieder zwei neue dazu gekommen. Indem ich diese Zeilen hier schreibe, werde ich heute wieder einen streichen können. Einen Punkt auf meiner To-do-Liste.    

Ich liebe To-do-Listen ebenso, wie ich sie verachte. Einerseits bringe ich damit meine Pendenzen raus aus den verschlungenen Gehirnwindungen, wo sie mich dauernd anstupsen und mir kleine Schrecken einjagen, direkt aufs Papier. Das hilft ungemein gegen das latente Gefühl, etwas zu vergessen. Noch glücklicher macht es mich, wenn ich einen Punkt nach dem anderen durchstreichen kann. Wie gut bin ICH denn!

Auf der anderen Seite erinnert mich so eine To-do-Liste daran, was ich alles noch tun sollte – und dass ich doch gar nichts „sollen“ will! So eine Liste ist ein Lustverhinderer. Und der fassbare Beweis dafür, dass ich nicht ganz im Hier und Jetzt bin. Ja, dass es mir an Vertrauen mangelt – ich glaube offensichtlich nicht daran, dass mir im richtigen Moment dann schon das Richtige in den Sinn kommt. Und wenn ich doch etwas vergesse, dann war es vielleicht nicht wichtig genug. Dann hätte ich mir den Punkt auf der Liste gleich ganz sparen können.

 

Wissen Sie was? Das spielt alles gar keine Rolle. Ob Sie nun To-do-Listen machen oder ohne sie tun, was es zu tun gibt: Wichtig ist einzig, dass Sie die Dinge angehen und sie nicht von einem Tag auf den anderen verschieben. Oder von einem Tag auf das nächste Jahr. Denn: Nicht-Erledigtes fällt unter die Kategorie Gerümpel! Es ist mentales, oft gar seelisches Gerümpel. Es lastet auf uns. Karen Kingston schreibt in ihrem Bestseller Feng Shui gegen das Gerümpel des Alltags: „Knöpfe, die angenäht werden müssen, Telefonanrufe, die Sie erledigen, und Beziehungen, von denen Sie sich verabschieden müssen, und alle anderen unabgeschlossenen Dinge in Ihrem Leben werden so lange Ihren Fortschritt hemmen, bis Sie sie erledigen. Ihr Unterbewusstsein wird diese Dinge zwar freundlicherweise für Sie unterdrücken, doch wird Sie das sehr viel Energie kosten. Wenn Sie all Ihre unabgeschlossenen Angelegenheiten zu Ende bringen, werden Sie über den Anstieg Ihres Energiepegels erstaunt sein“.

 

Neudeutsch heisst diese Aufschieberitis übrigens „Procrastination“. Das tönt doch nach einer Krankheit, oder? Also, ran an die Punkte auf der To-do-Liste, und dann verknüllen Sie am besten gleich den ganzen Zettel und fühlen sich so richtig gesund, befreit und voller Energie!