Feingeschliffen und frei

„Was hat aufräumen mit Sprache zu tun?“ lautete die verwirrte Frage meines Tischnachbarn am Geburtstagsfest eines Freundes letzte Woche. Ich hatte ihm kurz zuvor erzählt, womit ich meinen Lebensunterhalt verdiene. Also holte ich etwas aus: 

„Ich habe für mich erkannt, dass es im Laufe unseres Lebens darum geht, frei zu werden: Frei von erlernten Glaubenssätzen, frei von Verhaltensmustern. Ja sogar frei von Gefühlen, die wir für unsere eigenen halten – die wir aber bis auf wenige Ausnahmen ebenfalls von anderen übernommen haben. Die Dinge, die wir bis dato angesammelt haben, widerspiegeln unser bisheriges Leben. Das Gleiche gilt für unsere Sprache. Beides können wir nun bewusst anschauen und aussortieren. Durch diesen Prozess entdecken wir, was wirklich zu uns gehört und wer wir heute sind. Am Schluss behalten wir nur die Sachen, die uns glücklich machen. Und wir wählen nur die Worte, mit denen wir die Wirklichkeit kreieren, die wir wollen.“

 

Als ich freiräumen vor vier Jahren gründete, war mir der tiefere Sinn meines Firmennamens selbst noch nicht klar. Ich wusste nur: Wenn du aufräumst, schaffst du Freiräume – innen wie aussen. In der Zwischenzeit habe ich persönlich eine sehr intensive Zeit erlebt. Schmerzhafte Ereignisse haben mich dazu gebracht, tief in meine Kindheit und in verdrängte Gefühle einzutauchen. So schwer das war, so bereichernd war es auch. Ich habe Zusammenhänge erkannt, die vorher im Verborgenen lagen. Die wichtigste Erkenntnis von allen war: Wir sind schon dort, wo wir hin wollen. Wir sind schon alles, was wir sein wollen. Wir sind schon das Glück und die Liebe und das Mitgefühl. Bloss liegt all das unter einem grossen Haufen an emotionalem Ballast begraben. So erkennen wir uns selbst nicht mehr als die, die wir sind. Also geht es darum, diesen Ballast abzutragen. Ihn anzuschauen, zu würdigen – und loszulassen. Genau wie bei einem Edelstein: Bevor er in vollkommenem Glanz erstrahlt, wird fast ein Drittel von ihm abgeschliffen.

 

Ich hatte wertvolle Hilfe beim emotionalen Freischaufeln. Am Feinschliff arbeite ich immer noch, immer wieder: Aber hey, welch Schmuckstück kommt da zum Vorschein! Gleichzeitig inspiriert mich meine Arbeit noch mehr als vorher: Ich weiss, dass auch ich andere damit effizient auf ihrem Weg zu persönlicher Freiheit begleiten kann. Das haben Dinge und Sprache aufräumen gemeinsam.

 

 

Mehr zum Thema und zu meinem Werdegang findest du im Porträt. Feedbacks und Kommentare nehme ich immer gern entgegen.