Ich bin doch Ben!

Ben Luca, der vor acht Jahren als unser Sohn auf die Welt kam, hat jeweils ein spezielles Interesse, das er voll und ganz auslebt. Als kleiner Stöpsel war das der Staubsauger. Zwei Jahre lang leuchteten seine Augen auf, wenn er staubsaugen konnte. Ich erinnere mich an den Besuch bei seinem Patenonkel in Deutschland. Ben war krank und lethargisch. Kaffee und Kuchen gab es in einem Raum, in dem ein Staubsauger in der Ecke stand. Das erweckte Ben zum Leben. Mit wackeligen Beinen gab er sich seiner Faszination für den Staubsauger hin.

Mit drei Jahren verwandelte sich diese in eine grosse Liebe zur Feuerwehr. Ben kletterte auf jede Stange, untersuchte jeden Hydranten, kreierte mit Playmobil die tollsten Rettungsszenen und zog seine Feuerwehrkleider auch beim Einkaufen in der Stadt nicht aus. Drei Kostüme und fünf Helme zeugen von seiner jahrelangen Feuerwehrkarriere.

 

Vor kurzem haben wir das ganze Feuerwehrspielzeug auf Wunsch von Ben weggegeben. Denn jetzt ist er Fussballer. In dieser Funktion hat er ein Team gegründet, die „Himugüegelimannschaft“ – das Marienkäferteam. Er hat um seine besten Freunde, an erster Stelle seine kleinere Schwester, als Teammitglieder geworben. Zu echten Trainings und Spielen ist es bislang aus logistischen Gründen nicht gekommen. Doch das spielt für Ben keine Rolle: Er bemalt wacker für alle Spielerinnen und Spieler weisse T-Shirts mit Marienkäfern und Spielernummern. Seinen Fussball hat er mit sämtlichen Namen dekoriert. Für die Grossmutter, den Götti und die Gotte hat er eigenhändig Einladungen zum nächsten Match verfasst. Und wenn er in jeder freien Minute vor der Haustür mit den Nachbarskindern spielt, ist das für ihn Training genug.

 

Kürzlich kam Ben in Gedanken versunken nach Hause. Er, der YB-Fan, sagte: „Mami. Ich verstehe das nicht. Wenn wir Fussball spielen, wollen alle jemand anders sein. Wölfli, zum Beispiel. Aber ich bin doch nicht Wölfli, ich bin doch Ben! Und als Team sind wir doch nicht YB, wir sind doch die Marienkäfermannschaft!“.

 

... Ich war sprachlos ob der Weisheit, die in diesen Worten steckte. Kinder sind unsere Lehrmeister. Sie wissen noch, was es heisst, sich selbst zu sein. Sich nicht an anderen zu orientieren – an Fussballmannschaften, Models oder Religionsführern – sondern authentisch und selbstbestimmt zu leben. Auch im grössten Hype um andere bei sich zu bleiben. Und sich dem, was für sie wichtig und spannend ist, voll und ganz hinzugeben.

 

„Ich bin doch Ben!“. Als Mutter wünsche ich mir nichts mehr, als dass ihm dies sein Leben lang mit der gleichen Klarheit bewusst ist.

 

 

 

Dies ist ein Impuls zum Thema „inneres Aufräumen“ oder: Wenn der Anfang das Ziel ist. Mehr dazu gibt’s auch im Gespräch zwischen mir und Christian Walker im heutigen HerzRaum.