Ich liebe dich!

Wie oft sagen Sie „Ich liebe dich“? Sagen Sie es genau so? Oder verwenden Sie lieber „Ich hab’ dich lieb“? Wenn Sie aus der Schweiz sind: Wie halten Sie es mit „I liebe di“ – verwenden Sie es oft und gerne? Ist es Ihnen womöglich etwas peinlich? Bevorzugen Sie das unverbindlichere „I ha di gärn“?

Wie oft hören Sie „Ich liebe dich“? Fühlen Sie sich wohl dabei, wenn Sie es hören? Würden Sie es gerne öfter hören? Was macht es mit Ihnen, wenn Ihre Partnerin oder Ihr Partner „Ich hab dich lieb“ zu Ihnen sagt? Tritt das HABEN in diesem Satz mehr hervor als die LIEBE?

 

Liebe ist nicht transitiv

 

Der indische Yogi und spirituelle Führer Sadhguru inspiriert Millionen von Menschen auf der ganzen Welt. Er lehrt, mit Yoga unseren Körper und unser geistiges Potenzial zu erfahren und gezielt einzusetzen. Er nennt das "Inner Engineering". Wir steuern dann unseren Körper und unsere Gedanken – nicht mehr umgekehrt.

Dieser Sadhguru sagt, dass Liebe nicht transitiv ist. Dass wir Liebe nur in uns selber empfinden und wir sie nicht auf einen anderen Menschen übertragen können. Ein anderer Mensch kann wohl das Gefühl von tiefer Liebe in uns auslösen. Aber der Satz „ich liebe dich“ ergibt keinen Sinn.

 

Wenn ich „ich liebe dich“ sage, denke ich seither immer an Sadhguru. Noch bevor ich es äussere, überlege ich mir einen kurzen Moment lang, stattdessen etwas wie „Du löst in mir ein wunderbares Gefühl der Liebe aus“ zu sagen. Wie wäre das? 

 

Liebe von innen

 

Vielleicht braucht es gar keine Liebesbezeugung. Wenn mich mein Partner liebt, dann spüre ich das und erkenne es an kleinen Gesten. Daran zum Beispiel, dass er während meiner emotionalen Ausbrüche da bleibt und mich mit einem Augenzwinkern wieder zum Lachen bringt. Das zählt für mich mehr als ein gelegentliches „Ich liebe dich“, das die Gefahr in sich trägt, wie eine abgedroschene Worthülse daher zu kommen. 

 

Dann sind noch die Momente, in denen ich ganz bei mir bin. Sie bringen mein Bedürfnis nach den drei Worten ganz zum Verschwinden. Denn dann kommt die Liebe von innen. Das spüren auch jene um mich herum. Dann vermissen wir die Liebe nicht, wir verteilen sie nicht mehr und fordern sie auch nicht ein: Dann wissen wir, dass wir Liebe SIND. Ganz ohne Worte.