06. Januar 2019
Worte sind aufschlussreich. Gerade das familiäre Umfeld bietet reichlich Gelegenheiten für Erkenntnisse über uns selbst, wenn wir unsere eigene Sprache hinterfragen. Das gilt etwa in Situationen, in denen wir unsere Kinder in die Obhut von jemand anderem geben.

23. Dezember 2018
Vorgestern waren wir in der Schule von Ben und Mia am „Flursingen“. Die sechs Primarschulklassen haben auf drei Etagen des Schulhauses Weihnachtslieder gesungen und musiziert, während wir Eltern auf den breiten Treppen gestanden sind und den berührenden Darbietungen gelauscht haben. Gelauscht habe ich auch den Ansprachen der Lehrer zwischen den Stücken. Und ich habe gestaunt.

02. Dezember 2018
Manchmal ist der Frust gross. Mein Mann triggert mit einer Aussage einen wunden Punkt in mir. Die Emotionen gehen hoch. Alte Verletzungen jagen meine Präsenz zur Tür hinaus. Mein Zwischenhirn reagiert mit Gefühlen auf Worte, bevor diese das Grosshirn erreichen und ich zu einer „vernünftigen“ Handlung im Stande wäre. Es kommt zum Streit. Mit der Präsenz ist die Wertschätzung geflohen. In einer solchen Situation mache ich das Gegenteil dessen, von dem ich in meinen Kursen spreche. Bin...

13. November 2018
Es gibt Sätze, die bei mir den Flucht-oder-Kampf-Reflex auslösen. Wenn ich sie höre, beginnt mein Herz schneller zu schlagen, mein Bauch zieht sich zusammen, und wie ein aufgescheuchtes Reh will ich das Weite suchen. Einer dieser Sätze tönt wohlwollend und ist gut gemeint: „Ich will dir (doch nur) helfen.“ Ich reagiere positiv auf diesen Satz, wenn mir ein Zentner Holz auf den Fuss zu fallen droht und jemand in letzter Sekunde zu Rettung eilt. Ansonsten empfinde ich Abwehr. Weshalb?

02. November 2018
Wie oft sagen Sie „Ich liebe dich“? Sagen Sie es genau so? Oder verwenden Sie lieber „Ich hab’ dich lieb“? Wenn Sie aus der Schweiz sind: Wie halten Sie es mit „I liebe di“ – verwenden Sie es oft und gerne? Ist es Ihnen womöglich etwas peinlich? Bevorzugen Sie das unverbindlichere „I ha di gärn“?

14. Oktober 2018
Letzte Woche hat mir eine liebe Freundin von ihrem Besuch bei ihren Verwandten im Ausland berichtet. Sie durfte dort bei einer ihrer Lieblingstanten im Gästezimmer übernachten und hatte alles, was das Herz begehrt: ein komfortables Bett mit liebevoll zurecht gemachter Bettwäsche, ausreichend Platz und ein wundervolles Bad gleich um die Ecke. Und doch wusste sie im ersten Moment nicht, ob sie sich freuen sollte oder nicht: Direkt vor ihrem Bett stand ein Schreibtisch mit drei ausrangierten...

10. September 2018
Ich bin Mutter von Ben und der zwei Jahre jüngeren Mia. Wie an dieser Stelle schon einmal erwähnt, begannen mein Mann und ich vor Monaten damit, die beiden auf die Wirkung ihrer sprachlichen Äusserungen auf­merksam zu machen. Unsere Anregungen fielen auf fruchtbaren Boden: Ben hatte gerade erst lesen gelernt und interessierte sich für sämtliche Wörter, die ihm auf Honiggläsern, Zahnpastatuben oder Plakaten begegneten.

20. August 2018
Haben Sie das auch schon erlebt? Mitten in der angeregten Diskussion fragt Ihr Gegenüber „Ist das wissenschaftlich nachgewiesen?“. Argh! Oft genug erstickt diese Killerfrage jede weitere Anregung im Keim. Wenn ein Sachverhalt nicht im Rahmen einer Studie untersucht und von dieser als richtig oder falsch deklariert wurde, gilt er nicht. Die Forschung bestimmt darüber, was wahr sein darf. Unser Vertrauen in die Wissenschaft scheint grenzenlos. Oft vertrauen wir ihr mehr als unserer eigenen...

29. Juli 2018
Sommerferien sind wunderbar. Und Sommerferien sind anstrengend! Wer Kinder im (vor-)schulpflichtigen Alter hat, kann davon ein Lied singen. Oft fällt der persönliche Freiraum der Familienmitglieder über Wochen weg. Eltern und Kinder sind einander wie in einem Brutkasten der Emotionen den ganzen Tag ausgesetzt. Lernen ist angesagt – nicht mit der Schule, sondern mit dem Leben als Lehrmeister. Kommen Besuche bei Grosseltern und anderen Teilen der Familie dazu, potenziert sich der Druck...

06. Juli 2018
Das Wort Medizin kommt vom lateinischen medium, was MITTE bedeutet. Medizin ist demnach ein MITTEL, das uns wieder in unsere MITTE bringt. Ebenso ist ein/e Mediziner/in eine Person, die uns dabei hilft, in unsere MITTE zu kommen. Wie sehen Ihre Erfahrungen mit Ärztinnen und Ärzten aus? Stehen Sie bei ihnen im MITTElpunkt? Als PATIENT wiederum sind wir aufgefordert, GEDULDIG zu sein. Genau das bedeutet das lateinische patiens. Im Krankenbett dürfen wir die Dinge eine Weile ruhen lassen. Das...

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